Top 50 KI-Füllwörter im Marketing: Warum sie aus Marketingtexten ein umständlich formuliertes Nichts machen

Eins vorweg: Auch ich komme inzwischen um KI-gestützte Marketingarbeit nicht mehr herum.

Sie spart Zeit. 
Sie beschleunigt Abläufe. 
Sie hilft beim Sortieren von Gedanken, beim Strukturieren von Rohtexten, beim Recherchieren, beim Verdichten, beim Gegenprüfen, beim Umformulieren. 
Kurz: Sie macht den Alltag in vielen Bereichen effizienter. 

Das Problem beginnt nicht bei der KI selbst. Das Problem beginnt dort, wo sie ohne sprachlichen Filter, ohne Einordnung und ohne professionelles Urteilsvermögen eingesetzt wird. 

Nachdem ich meinen KI-Marketing-Lehrling mehrfach und zum Teil erstaunlich erfolglos dazu aufgefordert habe, bestimmte Wörter endlich aus meinem Arbeitsalltag zu verbannen, habe ich ihn gebeten, mir seine meistverwendeten Füllwörter offenzulegen. 

Und schwups: Hier ist sie. Die Liste der üblichen Verdächtigen.

Top 50 Füllwörter im Marketing

authentisch · nachhaltig · ganzheitlich · innovativ · einzigartig
zielgerichtet · maßgeschneidert · passgenau · individuell · modern

strategisch · kreativ · wirkungsvoll · relevant · effizient
effektiv · zielführend · wertvoll · erfolgreich · stark

klar · kraftvoll · hochwertig · professionell · sichtbar
nach vorne bringen · Mehrwert · Potenzial · Synergien · Lösungen

Ansatz · Hebel · Journey · Touchpoints · Performance
Awareness · Impact · Purpose · Transformation · Positionierung

Präsenz · Identität · Markenerlebnis · Zielgruppe · Content mit Substanz
Storytelling · ganz neu denken · neu aufstellen · weiterentwickeln · in den Mittelpunkt stellen

Nicht alles daran ist per se falsch. Wobei ich bei Wörtern wie „kraftvoll“, „stark“ und „wirkungsvoll“ inzwischen sehr zuverlässig die Augen verdrehe. Genau das macht die Sache ja so tückisch.

Warum diese Wörter so heikel sind

Viele dieser Begriffe stammen direkt aus dem Marketing. Einige sind Fachsprache. Andere sind reine Nebelmaschinen. Und manche liegen genau dazwischen.

Das macht die Unterscheidung schwierig.

Denn selbstverständlich gibt es Begriffe, die fachlich sinnvoll sind. Ein Wort wie „Positionierung“ ist nicht automatisch schlecht. Auch Begriffe wie „authentisch“, „zielgerichtet“ oder „nachhaltig“ können im richtigen Zusammenhang sinnvoll sein.

Das Problem entsteht dort, wo Wörter nicht mehr eingesetzt werden, um etwas genau zu benennen, sondern nur noch, um einem Text Anstrich zu geben.

Dann wird aus Fachsprache kein Werkzeug mehr, sondern Kulisse.

Wenn Texte nur noch nach (schlechtem) Marketing aussehen

Viele dieser Wörter haben ein gemeinsames Muster:

Sie klingen auf den ersten Blick professionell. Sie deuten Kompetenz an. Sie wirken, als würden sie etwas benennen.

Beim zweiten Lesen bleibt davon oft wenig übrig.

Denn was heißt konkret:

  • relevant
  • ganzheitlich
  • modern
  • authentisch
  • innovativ
  • strategisch
  • nachhaltig
  • zielgerichtet

Man kann fast alles damit beschreiben. Und genau deshalb beschreiben sie oft erstaunlich wenig.

Je dichter solche Wörter im Text stehen, desto größer wird das Problem: Der Text klingt professionell, aber leer. Fachlich aufgeladen, aber unpräzise. Routiniert, aber austauschbar.

Und vor allem: Man merkt es.

Das Problem ist nicht nur sprachlicher Natur

Die eigentliche Gefahr liegt nicht nur in der Wortwahl, sondern im Gedanken dahinter.

Denn diese Wörter werden oft dort massenhaft eingesetzt, wo Unternehmen versuchen, ohne ausreichende Marketingkompetenz Inhalte selbst zu bauen, um Budget zu sparen.

Das ist menschlich nachvollziehbar. Und nicht jedes Unternehmen kann oder will sofort professionelle Unterstützung holen.

Nur wird dann häufig genau das übernommen, was schnell verfügbar ist:

  • Standardformulierungen
  • KI-Vorschläge
  • Neo-LinkedIn-Sprache
  • vertraut klingende Marketingbegriffe
  • Phrasen, die professionell wirken sollen

Noch problematischer wird es, wenn Marketer selbst diese Begriffe ungefiltert übernehmen. Nicht aus Überzeugung und nicht immer aus fehlender Kompetenz, sondern aus Tempo. Weil es schnell gehen muss. Weil Deadlines drücken. Weil KI schon etwas brauchbar Klingendes geliefert hat. Weil man sich den letzten sprachlichen Feinschliff sparen möchte.

Dann passiert genau das, was man heute auf vielen Kanälen beobachten kann: Texte sehen nach Marketing aus, klingen aber nicht mehr nach selbstständigem Denken.

Was dabei verloren geht

Wenn Füllwörter überhandnehmen, passiert meist mehr als nur ein stilistisches Problem.

1. Texte verlieren an Wirkung

Sie sagen viel und meinen wenig. Der Leser arbeitet sich durch Formulierungen, ohne wirklich etwas greifen zu können.

2. Botschaften verlieren Kontur

Statt einer erkennbaren Aussage entsteht ein Wortfeld, das alles andeutet, nichts sauber benennt und auch aus Marketingsicht wenig überzeugt.

3. Marken verlieren Profil

Wenn alle ähnlich formulieren, verschwinden Unterschiede. Und mit ihnen auch die Wiedererkennbarkeit einer Marke.

4. Inhalte erzeugen Ermüdung

Nicht, weil sie lang sind. Sondern weil sie sprachlich keinen eigenständigen, differenzierten Gedanken mehr erkennen lassen.

5. Vertrauen in die Marke leidet

Denn auch wenn viele diese Wörter nicht bewusst benennen können, spüren sie doch sehr genau, ob ein Text Substanz hat oder nur nach professionell formuliertem Rauschen klingt.

Nicht jedes dieser Wörter ist in jedem Zusammenhang fehl am Platz

Und genau hier wird es interessant.

Denn natürlich gibt es Wörter, die weiterhin sinnvoll sein können. Nicht jedes häufig verwendete Marketingwort ist automatisch wertlos.

Der Punkt ist ein anderer:

Diese Begriffe sollten nicht ungefiltert automatisch übernommen werden. Sie brauchen Prüfung.

Also zum Beispiel:

  • Ist das Wort hier wirklich die präziseste Lösung?
  • Benennt es etwas Konkretes?
  • Oder füllt es nur einen Satz?
  • Würde der Text ohne dieses Wort sogar besser werden?
  • Würde ein einfacheres Wort mehr sagen?

Viele dieser Begriffe haben ihren Platz im Marketing. Aber eben nicht inflationär, nicht reflexhaft und schon gar nicht in doppelter oder dreifacher Schicht.

Die bessere Lösung

Texte werden nicht besser, wenn man sie mit Begriffen ausstattet, die nach Marketing klingen.

Sie werden besser, wenn sie:

  • sauber benennen
  • Unterschiede greifbar machen
  • Spannungen und Unschärfen nicht weichzeichnen
  • Entscheidungen erkennbar machen
  • Relevanz konkret zeigen
  • Sprache nicht als Dekoration, sondern als Werkzeug einsetzen

Oft ist ein einfaches Verb stärker als ein halbabstraktes Adjektiv. Oft ist eine genaue Beobachtung wertvoller als ein hübsch klingender Sammelbegriff. Oft ist ein Satz weniger der bessere Satz.

Was du mit KI trotzdem gut machen kannst

KI ist nicht das Problem. Sie kann im Gegenteil sehr nützlich sein.

Zum Beispiel:

  • zum Sammeln von Rohmaterial
  • zum Strukturieren erster Gedanken
  • zum Vergleichen von Varianten
  • zum Straffen
  • zum Prüfen von Redundanzen
  • zum Finden von Mustern
  • zum Aufdecken eigener Gewohnheiten

Auch diese Liste wäre ohne KI in dieser Form vermutlich nicht entstanden.

Aber genau hier liegt der eigentliche Punkt:

Die KI erkennt nicht zuverlässig, wann ein Wort nur gut aussieht, aber nicht mehr leistet. Dafür braucht es Urteil. Sprachgefühl. Kontext. Und einen professionellen Filter eines erfahrenen Marketers.

Wer diesen Filter nicht konsequent einsetzt, spart vielleicht Zeit, aber verliert enorm an Qualität.

Was das für die Praxis bedeutet

Wenn du mit KI arbeitest, dann nicht im Blindflug.

Lass dir Listen bauen. Lass dir Varianten ausgeben. Lass dir Entwürfe schreiben. Aber geh danach mit einem strengen professionellen Auge drüber.

Streich. Prüf. Spitz zu. Vereinfache. Entscheide.

Und frag dich bei jedem verdächtig gut klingenden Wort: Braucht der Satz das wirklich? Oder soll es nur Kompetenz simulieren?

Denn genau hier trennt sich professionelle Marketing- und Redaktionsarbeit von reinem Textauswurf.

UND: Wer diese Füllwörter ungefiltert weiterverwendet, darf sich nicht wundern, wenn KI den eigenen Job bald tatsächlich größtenteils übernimmt. Nicht, weil sie besser denkt. Sondern weil man selbst aufgehört hat, es konsequent zu tun.

Fazit

Die problematischsten KI-Füllwörter im Marketing sind nicht immer „Füllwörter“ und nicht deshalb problematisch, weil sie immer falsch wären.

Sondern weil sie:

  • zu schnell ungefiltert übernommen werden,
  • zu oft zu viel andeuten, statt konkret zu formulieren,
  • und zu selten wirklich präzise eingesetzt werden.

Sie lassen die Individualität einer Marke und oft auch die menschliche Handschrift eines Textes verschwinden. Sie machen Inhalte deutlich schwerer lesbar und Marken und Unternehmen weniger wiedererkennbar.

Konsequent, präzise und mit Augenmaß eingesetzt, sind es keine KI-Füllwörter mehr, sondern ein effizientes Werkzeug. Deshalb gilt für diese Wörter kein pauschales Verbot. Aber ein sehr strenger Vorbehalt.

Ab sofort also am besten: vermeiden – oder nur noch bewusst und mit Augenmaß einsetzen.

 

Content Experience: Wie Inhalte heute Vertrauen, Markenerlebnis und Customer Journey prägen

Warum Content Experience?

Online wird immer mehr Content produziert. Schneller, glatter, häufiger, oft auch austauschbarer.

Viel KI. 
Viel Wiederholung. 
Viel routinierte Form. 
Viel Inhalt, der auf den ersten Blick korrekt wirkt und auf den zweiten erstaunlich wenig auslöst. 

Das bleibt nicht folgenlos. Denn Inhalte informieren nicht nur. Sie formen ein Erlebnis
Und genau dieses Erlebnis prägt mit, wie eine Marke wahrgenommen wird. 

Nicht irgendwann später. 
Nicht erst im Service. 
Nicht erst im Kaufprozess. 

Sondern oft schon beim ersten Kontakt

Auf Social Media. 
Auf einer Website. 
In einem Blogartikel. 
In einer Caption. 
In einem Newsletter. 
In der Art, wie eine Marke schreibt, ordnet, wiederholt oder eben auch nicht wiederholt. 

Genau deshalb lohnt es sich, einen Begriff stärker in den Mittelpunkt zu rücken: Content Experience

Content ist nicht nur Information. Content ist Erfahrung.

Lange wurde Content vor allem funktional betrachtet. Als Mittel für Sichtbarkeit, Reichweite, SEO, Engagement oder Leadgenerierung. Das alles ist nicht falsch. Aber es greift zu kurz.

Denn Menschen nehmen Inhalte nicht nur sachlich auf. Sie erleben sie. Sie merken,

  • ob ein Text Substanz hat oder bloß korrekt klingt
  • ob ein Post etwas sortiert oder nur weiteres Rauschen produziert
  • ob eine Marke präzise spricht oder generisch
  • ob Wiedererkennbarkeit entsteht oder Gleichförmigkeit
  • ob Inhalte Vertrauen aufbauen oder Distanz erzeugen

Content hat also nicht nur eine Informationsfunktion. Er hat schon längst eine Erfahrungsdimension. Und genau diese Erfahrungsdimension wird online immer relevanter.

Warum Content Experience heute wichtiger wird

Das digitale Umfeld hat sich verändert. Vor allem auf Social Media, aber längst nicht nur dort, wird Content:

  • schneller produziert
  • häufiger wiederholt
  • stärker automatisiert
  • formelhaft geglättet
  • oft auch entleert

Vieles klingt professionell. Aber wenig bleibt hängen.

Nicht, weil Inhalte schlechter formuliert wären. Sondern weil sie zu oft nach denselben Mustern gebaut sind:

  • generische Einstiege
  • berechenbare Dramaturgien
  • routinierte Selbstinszenierung
  • leere Thesen mit Business-Tonalität
  • viel Output, wenig Einordnung

Gerade KI verstärkt diesen Effekt, wenn sie ohne klare Linie eingesetzt wird. Sie kann Tempo erzeugen. Aber auch Beliebigkeit. Und genau dort beginnt die Frage nach der Content Experience.

Denn was Menschen mit Content erleben, ist nie neutral. Es prägt das Bild einer Marke mit. Im Positiven wie im Negativen.

Content Experience ist Teil des digitalen Markenerlebnisses

Viele Unternehmen denken Markenerlebnis noch immer vor allem über Design, Kampagnen oder Service. Das ist zu wenig.

Marken werden heute auch darüber erlebt,

  • wie klar oder unklar Inhalte sind
  • wie viel Haltung darin spürbar ist
  • wie präzise eine Marke ihre Themen führt
  • wie sich Wiederholung anfühlt
  • wie glaubwürdig Expertise wirkt
  • ob Inhalte Orientierung geben oder nur Präsenz simulieren

Mit anderen Worten: Content Experience ist ein zentraler Teil des digitalen Markenerlebnisses.

Nicht als Zusatz.
Nicht als Feinschliff.
Sondern als sichtbare Oberfläche dessen, wie eine Marke denkt.

Zwischen Mehrwert und Materialermüdung

Gerade im digitalen Raum reicht es nicht mehr, einfach nur „Content zu machen“. Menschen sind geübt darin, Inhalte schnell einzuordnen. Sie merken sehr rasch, ob etwas:

  • relevant ist
  • wiederholt wird
  • bloß Füllmaterial ist
  • sauber gedacht wurde
  • oder lediglich wie KI-Content aussieht

Das hat direkte Auswirkungen auf Vertrauen. Denn Vertrauen entsteht nicht nur durch Aussagen, sondern durch die Summe wiederholter Eindrücke. Wenn Inhalte regelmäßig:

  • generisch wirken
  • in sich leer bleiben
  • nur Trends kopieren
  • sich sprachlich kaum unterscheiden
  • viel behaupten, aber wenig ordnen

dann prägt genau das die Wahrnehmung einer Marke. Nicht dramatisch in einem einzelnen Moment. Aber deutlich über Zeit.

Content Experience entlang der Customer Journey

Deshalb sollte Content Experience auch nicht isoliert betrachtet werden. Sie wirkt entlang der gesamten Journey.

In der Aufmerksamkeitsphase

Hier entscheidet sich oft der erste Eindruck:
Wirkt eine Marke interessant, klar, relevant? Oder wie ein weiterer Absender im digitalen Gleichklang?

In der Einordnungsphase

Hier prüfen Menschen genauer:
Hat diese Marke Substanz?
Versteht sie ihr Thema?
Kann sie Komplexität verständlich machen?

In der Vertrauensphase

Hier wird relevant, ob Inhalte konsistent, präzise und anschlussfähig sind.
Nicht jeder Post verkauft. Aber viele Inhalte zusammen erzeugen ein Gefühl für Qualität.

In der Handlungsphase

Spätestens hier zeigt sich, ob Content nur begleitet oder wirklich vorbereitet hat. Ob aus Aufmerksamkeit Orientierung wurde. Und aus Orientierung Vertrauen.

Genau deshalb gehört Content Experience nicht an den Rand der Customer Journey. Sie ist ein zentraler Teil davon.

Die Website ist dabei kein Sonderfall

Auch die Website ist Teil dieser Experience. Nicht nur durch Gestaltung, sondern durch:

Denn auch dort erleben Menschen eine Marke nicht nur visuell, sondern inhaltlich.

Was eine gute Website heute leisten muss, entscheidet sich deshalb nicht nur an Design und Technik, sondern daran, ob sie Menschen verständlich weiterführt, Fragen klärt und Vertrauen aufbaut.

Und was ist mit Customer Experience?

Customer Experience bleibt der größere Rahmen. Aber sie beginnt online heute oft viel früher, als viele Unternehmen denken.

Nicht erst im Kontaktformular.
Nicht erst im Kundengespräch.
Nicht erst nach dem Kauf.

Sondern dort, wo Inhalte erlebt werden. Deshalb würde ich Content Experience nicht als Nebenaspekt von CX behandeln, sondern als einen ihrer frühesten und sichtbarsten Bestandteile.

Fazit

Inhalte transportieren nicht nur Information. Sie erzeugen Erfahrung. 

Und genau diese Erfahrung prägt mit, wie Marken online wahrgenommen werden: als klar oder beliebig, präzise oder generisch, relevant oder austauschbar.

Gerade in einer digitalen Umgebung voller Wiederholung, KI-Glättung und routiniertem Eigenlob wird das immer entscheidender.

Genau deshalb möchte ich Content Experience bewusst stärker in den Mittelpunkt stellen.
Weil Inhalte heute längst mehr sind als bloße Kommunikationsmittel: Sie prägen Vertrauen, Markenerlebnis und Customer Journey aktiv mit.